Reenactment – kreative Freizeitgestaltung für ganze Familie

Geschichte fasziniert sowohl Groß als auch Klein. Ritter und deren Burgfräulein, blutige Schlachten und tapfere Helden – das alles ist schon lange her und dennoch hat es nichts an Reiz verloren. Einen Tag in die Geschichte eintauchen, an der Seite von Rittern zu speisen und ein Schwert zu führen, wer hat nicht schon einmal davon geträumt? Geschichte zum anfassen, soll Vergangenes erlebbar und verständlich machen, denn anstatt nur in einem Buch darüber zu lesen, kann es hier erlebt werden.

Eine Begriffsdefinition

reenactment-kreative-freizeitgestaltung-fuer-ganze-familieReenactment bezeichnet die Wiederbelebung eines bestimmten geschichtlichen Ereignisses, welches anhand von überlieferten Quellen, so authentisch und lebendig wie möglich rekonstruiert werden soll. Hierbei ist es nötig, dass sich die Teilnehmer, für ein besseres Einfühlungsvermögen, dementsprechend ihrer Rolle kleiden. Das Repertoire umfasst von militärischen Schlachten bis hin zu zivilen Inszenierungen ein breites Spektrum. Absicht solch eines Spektakels ist es geschichtliches Wissen zu vermitteln und mögliche neue Erkenntnisse für die Wissenschaft zu erlangen.

Begriffsproblematik und Überschneidungen

Reenactment per se ist eine Darstellung einer orts – und zeitgebunden Situation in der Vergangenheit, was in der Regel von Vereinen mit einem wissenschaftlichen Hintergrund betrieben wird. Dahingegen gibt es das LARP, das sogenannte Live Action Role Playing, ein fiktives Fantasy Rollenspiel in dem, die Teilnehmer Charaktere, in der dazu passenden Gewandung, aus dem Fantasy Bereich, darstellen. Ein Synonym, welches oft verwendet wird, ist das Histotainment, welches keiner klassischen Neuinszenierung entspricht, da es wohl historisch angelehnt ist, aber eher der Unterhaltung als der Wissenschaft dient. Das beste Beispiel hierfür sind die sogenannten Mittelaltermärkte. Diese legen nicht absoluten Wert auf Authentizität, sondern möchten den Besuchern das Handwerk und Leben einer vergangen Zeit näher bringen.

Geschichte leben

Eine ungeschriebene Regel besagt, dass alles was verwendet wird, sei es ein Messer, eine Rüstung oder die Gewandung, so originalgetreu wie möglich sein sollte. Dies bedarf einiger Recherchen, welche vornehmlich in zeitgenössischen Zeugnissen wie Grabfunden, Statuen, Manuskripten und historischen Texten zu finden sind. Meist wird die Ausrüstung von den Darstellern, von Hand, in vielen Stunden Arbeit, hergestellt, was viel Geduld, Fingerspitzengefühl aber auch finanziellen Spielraum fordert. Auf Veranstaltungen und Märkten können nicht nur Schlachten, Waffen und Ritter bestaunt werden, sondern auch das alltägliche Leben, wie und womit gekocht wurde, wie und wo gewohnt wurde und vor allem verschiedenste Handwerkstechniken und historische Mode. Darüber hinaus gibt es schauspielerische Aufführungen wie einen Schwertkampf, die Verurteilung einer Hexe, den Verkauf von Ablassbriefen oder dem Pestkranken, der durch die Menge humpelt, zu bestaunen. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Kritische Betrachtung

Um ein geschichtliches Ereignis so authentisch wie möglich darstellen zu können, müssen die Teilnehmer tief in die Materie eindringen und viel Recherche betreiben. Manchmal, wie bei der Darstellung nationalsozialistischer Themen, kann dies jedoch grenzwertig sein.

Oft wird davor gewarnt, dass das Publikum nicht in der Lage sei, die Fiktion von der Wirklichkeit zu unterscheiden und somit möglicherweise falsche Bilder in den Köpfen der Menschen entstehen könnten. So sei das Tragen von Hakenkreuzen und andern nationalsozialistischen Symbolen bei deren Darstellung unerlässlich, stoßen jedoch oft an ethische und rechtliche Schranken.

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